Interorgankommunikation bei Herz-Kreislauferkrankungen: Immunmetabolische Achsen zwischen Fettgewebe, Knochenmark, Herz und Gefäßsystem
Prof. Dr. med. Maria Grandoch, Universitätsklinikum Düsseldorf
Herz-Kreislauferkrankungen sind systemische Erkrankungen, deren Entstehung und Verlauf durch das Zusammenspiel von Stoffwechsel, chronischer Entzündung, Gefäßfunktion und Gewebereparatur geprägt werden. Insbesondere metabolische und chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen verändern so Signalwege und Immunzellprogramme und erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Myokardinfarkt und Atherosklerose. Eine zentrale Herausforderung ist daher, diese Erkrankungen nicht isoliert zu betrachten, sondern die zugrunde liegende Interorgankommunikation als treibenden Faktor der Pathophysiologie zu verstehen.
Im Mittelpunkt dieses Vortrags steht die Kommunikation zwischen Fettgewebe, Knochenmark und dem Herz-Gefäßsystem im Kontext metabolischer und entzündlicher Komorbiditäten. Dabei betrachten wir Fettgewebe bewusst differenziert und adressieren die unterschiedlichen Beiträge verschiedener Fettdepots und Fettgewebstypen, zum Beispiel viszerales, subkutanes, perivaskuläres und braunes Fett, für Stoffwechsel und Entzündungsprozesse. Fettgewebe wirkt dabei als endokrines und immunologisch aktives Organ und moduliert über lösliche Mediatoren Stoffwechsel und Entzündungsniveau. Das Knochenmark steuert als hämatopoetische Nische Zusammensetzung und Funktion zirkulierender Immunzellen und reagiert sensibel auf metabolische und inflammatorische Reize. Dysregulationen in diesen Kompartimenten können die Immunantwort so verschieben, dass Herz- und Gefäßerkrankungen begünstigt und Entzündungs- und Reparaturprozesse nach ischämischen Ereignissen fehlgesteuert werden. Ziel ist es, diese systemischen Kommunikationsachsen mechanistisch zu erfassen, um neue therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren, die pathologische Entzündung begrenzen und gleichzeitig protektive Immunfunktionen erhalten.
Maria Grandoch studierte Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und promovierte 2004 am dortigen Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie. Im Anschluss war sie als Postdoktorandin in Essen und Düsseldorf tätig und erweiterte ihr Profil durch den Studiengang Master.of.Science.in.Pharmaceutical.Medicine, den sie 2009 an der Universität Duisburg-Essen abschloss. 2010 beendete sie ihre Facharztausbildung in Pharmakologie und Toxikologie. 2016 habilitierte sie am Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und wurde 2017 zur Professorin für Molekulare Pharmakologie berufen. Seit Juni 2022 ist sie Direktorin des Instituts für Translationale Pharmakologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, an dem auch die Klinische Pharmakologie verankert ist.
In ihrer Forschung untersucht Maria Grandoch systemische Mechanismen kardiovaskulärer Erkrankungen und die Rolle der Interorgankommunikation an der Schnittstelle von Stoffwechsel und chronischer Entzündung. Ziel ist es, krankheitsrelevante Kommunikationswege mechanistisch zu verstehen und Ansatzpunkte für neue Therapien zu identifizieren, die pathologische Entzündung begrenzen, ohne protektive Immunfunktionen und Gewebereparatur zu beeinträchtigen.