Ein neues Fenster zu Einsteins Universum
Prof. Michael Kramer, Max-Planck-Institut für Radioastronomie Bonn
Pulsare sind die natürlichen Leuchtfeuer des Weltalls. In rhythmischen, genau berechenbaren Pulsen – daher der Name – schweifen ihre Lichtkegel durch den Raum. Angetrieben von magnetisierten, rotierenden Neutronensternen – den dichtesten Objekten im beobachtbaren Universum – sind sie hochpräzise Uhrwerke, die selbst die kleinsten Störungen in ihrer Umgebung wahrnehmen. Pulsare eignen sich daher zur Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie. Sie ermöglichen nicht nur die Beobachtung von Effekten, die sonst nicht beobachtbar wären, sondern auch äußerst präzise Tests der Eigenschaften von Gravitationswellen. Jede sich bewegende Masse verursacht durch ihre Schwerkraft Verzerrungen in Raum und Zeit, die sich als wellenartige Dehnungen und Stauchungen durch den Kosmos ausbreiten. Diese Gravitationswellen haben je nach Masse und Bewegung der Himmelskörper unterschiedliche Wellenlängen. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Pulsare als galaktische Gravitationswellendetektoren eignen. Sie spüren kontinuierliche, überlagerte Schwingungen der Raumzeit auf. Dieses „Summen” wird durch das Verschmelzen supermassereicher Schwarzer Löcher im frühen Universum verursacht. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Faszination von Einsteins Universum und zeigt, wie es mithilfe von Pulsaren erforscht werden kann.
Michael Kramer, geboren in Köln, studierte Physik in Köln und Bonn und promovierte 1995 an der Universität Bonn. Er war Astronom am MPIfR (1996-1998), Max-Planck-Otto-Hahn-Stipendiat an der University of California in Berkeley (1998-1999), Lecturer (1999-2003), Senior Lecturer (2003-2005) und Reader (2005-2006) an der University of Manchester, Leiter der Pulsar-Gruppe des Jodrell Bank Observatoriums/Jodrell Bank Centre for Astrophysics (2005-2009), stellvertretender Direktor des Jodrell Bank Observatoriums (2007-2009). Im Jahr 2009 wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, Deutschland, ernannt. Er war Mitglied des Wissenschaftlichen Rates des Europäischen Forschungsrates (ERC), Präsident der Astronomischen Gesellschaft und ist Mitglied in einer Reihe weiterer beratender Ausschüsse. Sein Fachgebiet ist die datenintensive Radioastronomie mit Schwerpunkt auf der Beobachtung von Neutronensterne, Schwarze Löcher und Gravitationswellen für experimentelle Untersuchungen der Gravitationsphysik. Seine Forschungen wurden unter anderen vom ERC durch einen Advanced Grant und einen Synergy Grant gefördert. Er erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Preise, darunter den Akademiepreis der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die Herschel Medaille der Royal Astronomical Society und Marcel-Grossmann Preis. Zusammen mit Kollegen der Event Horizon Telescope Collaboration erhielt er den Breakthrough-Prize in Fundamental Physics, den Bruno-Rossi Preis und die Einstein Medaille. Er ist Mitglied der Academia Europaea und Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz.