Viktor Brim eröffnete mit „The Shadows Beneath“ einen filmisch-dokumentarischen Blick auf das Rheinische Braunkohlerevier. Zwischen Solastalgie, Entwurzelung und industriellem Erbe lotete seine Arbeit die physischen und emotionalen Dimensionen eines sich wandelnden Raumes aus. Laurentia Genskes Kurzfilm „Cuando llegue la neblina“ führte nach Tijuana und verband dichte Bild- und Toncollagen mit den Stimmen von Menschen, deren Leben von Migration und Grenzerfahrungen geprägt ist.
In seiner Lecture Performance „Indonesisches Reisetagebuch. Auszug 1“ setzte sich Yannic Han Biao Federer mit kolonialen Wissenslücken, eurozentrischen Geschichtsnarrativen und postkolonialen Verstrickungen auseinander. Georgia Koumará ließ in ihrer audiovisuellen Komposition „hedonic escapism“ Bewegung, Klang und Sehnsucht ineinanderfließen und schuf eine körperlich-sensorische Reflexion über Begehren und seine Klanglandschaften.
Senem Gökçe Oğultekin präsentierte drei Arbeiten: „DUN/HOME“ näherte sich der armenisch-türkischen Grenzregion über Empathie und Körperlichkeit, während „VOID/Fragmente“ gemeinsam mit 17 Teilnehmenden die Landschaft eines Braunkohletagebaus erkundete. „Mikrotonus“ setzte sich in einer autobiografisch inspirierten Performance mit kulturellen Hegemonien und Identität auseinander.
„encounters 2024“ machte eindrucksvoll die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen innerhalb des Jungen Kollegs sichtbar und zeigte zugleich verbindende Themen und Fragestellungen: die Auseinandersetzung mit Erinnerung, Identität, Migration, Landschaft und gesellschaftlichen Umbrüchen. So entstand ein vielstimmiger Blick auf die Gegenwart, in dem unterschiedliche künstlerische Perspektiven aufeinandertrafen und neue Verbindungen sichtbar wurden.